Warum manche Hunde Paarungsversuche mit menschlichen Beinen unternehmen
Gelegentlich klammern sich Rüden beherzt an einen menschlichen Unterschenkel und beginnen mit rhythmischen Stößen. Verhaltensforscher gehen davon aus, dass hier eine Form von Übersozialisierung stattgefunden hat. Welpen wachsen in einem Umfeld aus Hunden und Menschen auf, die sie gleichermaßen als Sozialpartner akzeptieren und als Rudelmitglieder ansehen.
Menschen werden nicht läufig und verbreiten daher auch keinen anregenden Geruch. Normalerweise sollten Rüden sie also als sexuell neutral wahrnehmen und diesbezüglich ignorieren. Allerdings bietet sich die echte Gelegenheit in Form einer läufigen Hündin allzu selten, so dass frustrierte Rüden schließlich auf Ersatzobjekte ausweichen. Das können Artgenossen sein, aber auch Katzen, Sofakissen oder eben Menschenbeine.
Hat ein junger Hund sich auf den Menschen wie auf seine Geschwister und Spielkameraden gleichermaßen geprägt, so empfindet er sie ein Leben lang als nahe stehend. Man lebt gemeinsam in einem Bau, teilt die Nahrung, bewacht miteinander das Territorium, man spielt und tobt zusammen. Eine Paarung unter so Vertrauten ist daher für ihn nicht grundsätzlich abwegig.
Ein Unterschenkel eignet sich eben hervorragend, um sich daran festzuklammern. Wählt ein Hund das Bein eines Fremden, so kann das ganz einfach daran liegen, dass hier ein relativ reizvoller Duft, möglicherweise noch von einem anderen Hund, anhaftet. Für den Halter kann die Situation naturgemäß recht peinlich sein. Man sollte jedoch nicht überreagieren, entschlossenes Zurückweisen reicht in der Regel völlig aus.
Wie Halter in der Situation ruhig reagieren können
Wenn ein Hund ein Menschenbein besteigt, hilft meist eine ruhige und eindeutige Reaktion. Der Halter kann das Verhalten freundlich, aber klar unterbrechen, etwas Abstand schaffen und dem Hund eine andere, passende Beschäftigung anbieten. Wichtig ist, die Situation nicht durch lautes Schimpfen, hektisches Wegstoßen oder aufgeregtes Lachen zusätzlich interessant zu machen.
Sinnvoll ist außerdem, möglichst konsequent zu bleiben. Wenn das Verhalten einmal geduldet und ein anderes Mal stark zurückgewiesen wird, kann der Hund schwerer einordnen, was von ihm erwartet wird. Eine kurze Unterbrechung, ein Schritt zur Seite und das Umlenken auf Ruhe, Abstand oder ein bekanntes Signal reichen im Alltag häufig aus.
Mögliche Auslöser beobachten
Um das Verhalten besser einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Umstände. Dabei geht es nicht darum, vorschnell eine eindeutige Ursache festzulegen, sondern wiederkehrende Situationen zu erkennen.
- Passiert es vor allem bei Besuch oder fremden Personen?
- Tritt es in besonders aufregenden Momenten auf?
- Spielt ein bestimmter Geruch, etwa an Kleidung oder Schuhen, eine Rolle?
- Wirkt der Hund unausgelastet, überdreht, gestresst oder müde?
- Kommt das Verhalten selten vor oder wiederholt es sich in ähnlichen Situationen?
Wer Häufigkeit und Situation kurz notiert, kann ruhiger beurteilen, ob es sich um ein gelegentliches Verhalten oder um ein Muster handelt, das genauer betrachtet werden sollte.
Auf jeden Fall wird sich ein Rüde nur mit einem Wesen zu paaren versuchen, das ihm von frühester Jugend an vertraut ist. So wie der Mensch, die Artgenossen und andere Tiere, mit denen er bereits als Welpe in Berührung gekommen ist.
Umgekehrt hat man festgestellt, dass ein Welpe der zu früh vom Wurf entfernt worden ist, später Probleme mit anderen Hunden hat und sie auch nicht als normale Sexualpartner wahrnehmen kann. Als entscheidende Phase gilt das Alter zwischen vier Wochen bis zu drei Monaten. In dieser Zeit, der Sozialisierungsphase, ist ein intensiver Kontakt sowohl mit anderen Hunden, als auch mit Menschen unverzichtbar. Ebenso werden Hunde, die zu spät in Kontakt mit Menschen kommen, ihre Scheu ihnen gegenüber nie ganz verlieren.
Typische Fehler im Umgang mit dem Verhalten
Ein häufiger Fehler ist, das Aufreiten zunächst lange laufen zu lassen und erst sehr spät heftig zu reagieren. Für den Hund ist dann oft unklar, welcher Teil seines Verhaltens unerwünscht war. Besser ist eine frühe, kurze und sachliche Unterbrechung.
Auch Lachen, Anfeuern oder wiederholtes Kommentieren kann das Verhalten unbeabsichtigt verstärken, weil der Hund dadurch Aufmerksamkeit bekommt. Ebenso ungünstig sind sehr wechselhafte Reaktionen: Heute wird es als lustig empfunden, morgen als peinlich bestraft. Klare, ruhige Grenzen sind für den Hund verständlicher.
Kurze Fragen und Antworten
Ist Aufreiten am Bein immer sexuell gemeint?
Nicht zwingend. Es kann mit sexueller Motivation zusammenhängen, aber auch mit Aufregung, Übersprungshandlungen, Stress oder einer ungünstigen Gewohnheit verbunden sein. Entscheidend ist der Zusammenhang, in dem es auftritt.
Was tun, wenn es häufig vorkommt?
Dann sollte man die Situationen genauer beobachten und möglichst gleichmäßig reagieren: ruhig unterbrechen, Abstand herstellen und dem Hund eine passende Alternative geben. Kommt es immer wieder vor, kann fachkundige Unterstützung helfen, die Auslöser im Alltag besser einzuordnen.
Wann ist fachkundiger Rat sinnvoll?
Wenn das Verhalten sehr häufig auftritt, sich kaum unterbrechen lässt, mit deutlichem Stress verbunden wirkt oder der Halter unsicher ist, ist eine neutrale Einschätzung durch eine qualifizierte Hundetrainerin, einen qualifizierten Hundetrainer oder eine Tierarztpraxis sinnvoll.


