Kleine Hunde entsprechen der menschlichen Psyche

Kleine Hunde wirken auf viele Menschen besonders ansprechend, weil ihre geringe Größe, ihre Proportionen und ihr oft sehr menschenbezogenes Verhalten schnell Schutz- und Zuwendungsimpulse auslösen können. Gleichzeitig sind sie trotz ihres niedlichen Auftretens vollwertige Hunde mit eigenen Bedürfnissen, Temperament und Bewegungsdrang.

Manche Hunde sind so klein, dass man kaum mehr glauben mag, dass auch sie ihren Ursprung im Wolf haben. Unter den Terriern ist der Yorkshire Terrier mit einem Gewicht von etwa dreieinhalb Kilo der Kleinste. Auch der Malteser mit nur rund zweieinhalb Kilo gehört zu den Zwergen im Hundereich. Rekordhalter in Sachen Winzigkeit ist jedoch der Chihuahua, der gerade einmal zwei Kilo auf die Waage bringt. Er gilt vor allem als typischer Begleiter von Society Damen wie Paris Hilton. Auf Abbildungen sieht man ihn selten am Boden stehen. Meist wird er von seiner Besitzerin in der Hand gehalten. Er hat dazu die richtige Größe, er ist nämlich nicht viel voluminöser als eine Handtasche.

Warum üben gerade diese kleinen Hunde einen so besonderen Reiz auf viele Menschen aus? Kleinwüchsigkeit war anfangs zuchtbedingt: Man wollte Hunde, die bei der Jagd in die engen Gänge von Bauten eindringen konnten. Dazu braucht es einen kleinen Körper mit kurzen Beinen. Die Agilität sollte jedoch voll erhalten bleiben. Hier haben zum Beispiel Dackel und kleinere Terrierarten ihren Ursprung. Außerdem waren kleine Rassen für das Aufspüren und Ausgraben von Schädlingen besonders hilfreich.

Daneben sind aber auch kleine Hunderassen gezüchtet worden, die keinen spezifischen Nutzen versprachen. Sie sollten dem Menschen ganz einfach Gesellschaft leisten. Aufgrund ihrer geringen Größe werden sie oft als Schoßhunde bezeichnet. Ihr genetisches Erbe hat aber auch bei den Kleinsten die Grundcharaktere aller Hunde erhalten. Den Grund, warum gerade diese Hunde bei vielen so beliebt sind, sehen Verhaltensforscher im so genannten Kindchenschema. Der Mensch neigt unterbewußt dazu, Wesen, die in ihrer Größe und Anhänglichkeit einem Säugling oder Kleinkind entsprechen, zu bemuttern. Kleine Hunde wecken deshalb unseren Beschützerinstinkt.

Was das für den Alltag bedeutet

Im Alltag hilft es, kleine Hunde nicht nur über ihre niedliche Wirkung wahrzunehmen. Auch ein sehr kleiner Hund braucht passende Bewegung, Beschäftigung und klare Regeln, damit er sich sicher orientieren kann.

Ebenso wichtig ist ein respektvoller Umgang: Kleine Hunde sollten nicht ständig hochgehoben oder wie ein Gegenstand behandelt werden, nur weil sie leicht zu tragen sind. Viele Alltagssituationen lassen sich besser bewältigen, wenn der Hund selbst laufen, schnuppern und in angemessenem Rahmen eigene Erfahrungen machen darf.

Optische Merkmale der Zwergrassen unterstützen diese instinktive Zuwendung noch. So haben viele kleine Hunde besonders große, auffallend hervorstehende Augen. Das fällt besonders bei Chihuahuas und bei Möpsen auf. Rundliche Proportionen und ein relativ flaches Gesicht ziehen den Menschen magisch an. Besonders Frauen fühlen sich zu diesen Wesen hingezogen, denn ihr mütterlicher Instinkt verlangt geradezu danach, einem kleinen Hund Schutz zu geben. Dazu kommt das weiche, kuschelige Fell, das kleine Hunde noch verschmuster erscheinen läßt. Und auch die höhere Stimmlage kleinerer Hunde löst eher Zuneigung aus, als ein tief grollendes, selbstbewußtes Gebell.

Da sich Zwergrassen vor allem bei den Damen so großer Beliebtheit erfreuen, hat man schon früh begonnen, gezielt kleine Abarten herauszuzüchten, so wie zum Beispiel den Zwergpudel oder den Pekinesen. Sie entsprechen emotional dem Baby, das seine Mutter liebt und braucht.

Häufige Missverständnisse bei kleinen Hunden

Ein häufiger Irrtum besteht darin, kleine Rassen automatisch für anspruchslos zu halten. Ihre Körpergröße sagt wenig darüber aus, wie viel Aufmerksamkeit, Erziehung oder geistige Auslastung sie benötigen.

Auch Überbehütung kann problematisch sein, wenn ein Hund dadurch kaum Gelegenheit bekommt, seine Umgebung selbstständig kennenzulernen. Umgekehrt sollte seine geringe Größe nicht dazu führen, unerwünschtes Verhalten zu übersehen, das bei einem größeren Hund sofort ernster genommen würde.

Viele der einst als äußerst dynamisch geschätzten keinen Terrier, die man dafür schätzte, dass sie sich mit Eifer in einen Bau stürzten, sehen sich heute ebenfalls in die Rolle des Schoßhundes abgedrängt. Durch das zunehmend verstädterte Leben des Menschen, gibt es für Hunde kaum noch echte Aufgaben in der Natur. Die Agilität ist jedoch geblieben. Deshalb sollte man durch Spielen und Toben auch kleinen Rassen genug Möglichkeit geben, ihren Tatendrang auf andere Weise auszutoben.

Kurz zusammengefasst

Kleine Hunde wirken oft besonders anziehend, weil Größe, Ausdruck und Verhalten menschliche Schutz- und Zuwendungsimpulse ansprechen können. Gerade deshalb lohnt es sich, sie nicht auf ihre Niedlichkeit zu reduzieren. Sie bleiben aktive Hunde mit eigenen Bedürfnissen, die Aufmerksamkeit, Beschäftigung und einen angemessenen Platz im Alltag brauchen.