Tierische Filmstars
Warum Tiere im Film so gut funktionieren
Tiere wirken in Film und Fernsehen oft besonders einprägsam, weil sie Gefühle, Spannung und Wiedererkennung auf eine sehr direkte Weise vermitteln. Ein Hund, ein Pferd oder ein Delfin kann eine Szene auflockern, Nähe schaffen oder einem Abenteuer eine besondere Note geben.
Ob ein Tier dabei lustig, mutig oder besonders klug erscheint, hängt nicht nur vom Drehbuch ab. Häufig spielen geduldiges Training, vertraute Abläufe und die spätere Wirkung von Schnitt, Musik und Erzählung zusammen. Was auf dem Bildschirm leicht und selbstverständlich aussieht, ist hinter den Kulissen oft sorgfältig vorbereitet.
Vor Jahrzehnten, als sich die Welt des Fernsehens noch ausschließlich in schwarz-weiß abspielte und die Zuschauer gerade einmal unter drei Programmen wählen konnten, waren Lassie, der kluge Collie, Fury das stolze Pferd und Flipper, ein pfiffiger Delphin, der seine Freunde Sandy und Bud aus vielen Gefahren rettete, absolute Superstars. Das waren, vielleicht mal abgesehen von der Westernserie Bonanza, die wichtigsten Sendungen, die Kinder in den Sechzigern guckten. Und dann gab es natürlich noch Daktari, den Urwaldtierarzt, der gemeinsam mit seiner Tochter und zahlreichen Tieren im afrikanischen Busch lebte und jede Menge spannende Abenteuer zu bestehen hatte. Zur Familie gehörten Clarence, der schielende Löwe und Judy, ein Schimpansenweibchen, das jede Menge Unsinn anstellte.
Mittlerweile gibt es wohl kaum noch eine Tiergattung, die nicht irgendwann in einer Filmhandlung eine Rolle gespielt hätte. Wer heute den Fernseher anschaltet, sieht rennende Schweine, mit den Flossen klatschende Seelöwen. Die Phantasie der Drehbuchschreiber ist groß. Sogar ein Killerwal hat den Weg ins Kino gefunden. Und auch das Riesenaufgebot von 101 Dalmatinern hat den Weg auf die Leinwand geschafft. Kein arktisches Abenteuer kommt ohne Huskies als Schlittenhunde aus. Und eine Robinson Crusoe-Verfilmung ohne zahmen Papagei – undenkbar.
Manchmal sind es ganz normale Haustiere, die in die Handlung integriert werden. Wie zum Beispiel Buddy, ein Border-Terrier, der Dieter Pfaff in der ARD-Serie „Der Dicke“ über viele Folgen treu zur Seite stand.
Auch als Supertalent konnten sich Herr und Hund bereits durchsetzen. Das zeigt, wie beliebt kluge Tiere und die, die ihnen etwas beibringen, in der Öffentlichkeit sind.
Man braucht viel Geduld und Einfühlungsvermögen, um Tieren beizubringen, was später im Film ganz einfach aussieht. Schon eine winzige Episode kann, je nach Schwierigkeit, für das Tier eine lange Vorbereitungszeit erfordern. Joe Bodemann ist seit Jahrzehnten Profi in diesem Geschäft. Als Filmtiertrainer hat er ungezählten Tieren die Scheu vor der Kamera genommen und ihnen jede Menge Tricks beigebracht. Besondere Erfolge feierte er mit Löwen und Tigern.
Worauf verantwortungsvolle Filmtierarbeit achten sollte
Bei Dreharbeiten mit Tieren kommt es nicht nur darauf an, dass eine Szene gelingt. Wichtig ist auch, dass das Tier die Situation bewältigen kann und nicht durch Lärm, Hektik oder ungewohnte Abläufe überfordert wird.
Allgemein hilfreich sind vertraute Bezugspersonen, Geduld, klare Routinen und ausreichend Ruhe. Auch Pausen, passende Beschäftigung und fachkundige Betreuung können dazu beitragen, dass ein Tier nicht nur als Requisite behandelt wird, sondern als Lebewesen mit eigenen Grenzen.
Im Joe Bodemann Zentrum hat er all seine Erfahrungen zusammengefaßt. Bodemann, der neben seiner Filmtierschule auch noch als Tierheilpraktiker tätig ist, Tierfutter unter seinem Namen anbietet und ein Pfötchen-Hotel betreibt, gibt in seinem Filmtierpark auch Besuchern gerne Einblick in seine Arbeit. Hier kann man in einem kleinen Zoo viele der Stars live erleben, die man schon aus dem Fernsehen kennt.
Über zentrale Vermittlungsdienste lassen sich heute nahezu alle Arten von Tieren für Aufnahmen kurzfristig buchen. Selbst die Beschaffung von Exoten, wie Vogelspinnen oder Klapperschlangen, gilt mittlerweile als selbstverständlich.
Vom Tierpfleger zum Tiertrainer ist es oft nur ein kleiner Schritt. Oft kommt der Zufall hinzu. Ein wunderschöner Beruf für Tierfreunde, die auf die Erfolge ihrer Schützlinge mit Recht stolz sind. Doch nicht immer geht alles gut. So tötete der Orca Tilikum im Freizeitpark Seaworld in Florida im Februar 2010 eine Trainerin, die schon lange mit ihm zusammengearbeitet hatte.
Typische Missverständnisse rund um Filmtierarbeit
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Tiere eine Szene genauso verstehen wie Menschen. Zuschauer deuten Gesten, Blicke und Bewegungen oft als Absicht oder Gefühl; beim Dreh werden solche Momente jedoch meist vorbereitet und später durch Schnitt, Musik und Handlung verstärkt.
Ebenso wirkt eine kurze Szene oft einfacher, als sie tatsächlich ist. Bis ein Tier ruhig an einem bestimmten Ort bleibt, auf ein Signal reagiert oder sich an Kameras und viele Menschen gewöhnt, kann viel Wiederholung nötig sein. Gerade deshalb ist ein respektvoller Umgang mit den Möglichkeiten und Grenzen des Tieres wichtig.
Auch Kritik ist zu hören: So werfen Tierschützer dem ZDF vor, der beliebte Schimpanse Charly müsse für seine TV-Karriere leiden. Charly ist nämlich nicht nur ein einzelnes Tier. Aufgrund ständig neuer Produktionsstaffeln werden immer wieder neue junge Schimpansen gebraucht. Die Tiere, so der Vorwurf der Tierschützer, würden ihren Müttern zur Dressur weggenommen. Sobald sie erwachsen werden, oft schon zu Beginn der Pubertät im Alter von sechs Jahren, sind sie für die Filmarbeit zu gefährlich, weil zu stark, aggressiv und unberechenbar. Keiner kümmere sich hinreichend darum, was dann mit ihnen geschehe. Wie die Schimpansen nach ihrer Filmkarriere gehalten werden, sei nach ethischen Grundsätzen nicht vertretbar. Wenn sie erst einmal auf Menschen fixiert seien, so falle es sehr schwer, sie wieder in Gruppenverbände von Artgenossen zu integrieren.
Fazit: Faszination mit Verantwortung
Tierische Filmstars können Geschichten lebendig machen und bleiben vielen Zuschauern lange im Gedächtnis. Sie wecken Sympathie, sorgen für Spannung oder Humor und zeigen, wie eng Menschen und Tiere in Erzählungen verbunden werden können.
Gleichzeitig lohnt sich ein aufmerksamer Blick hinter die Kulissen. Je stärker Tiere im Mittelpunkt stehen, desto wichtiger ist die Frage, wie sie vorbereitet, begleitet und nach ihrem Einsatz behandelt werden. Die Faszination für tierische Darsteller sollte deshalb immer mit Respekt vor dem Tier verbunden bleiben.


