Hunde als Therapeuten
Normalerweise hilft der Tierarzt kranken Vierbeinern, gesund zu werden. Doch es gibt auch das Gegenteil: Hunde können kranken Menschen als Therapeuten bei der Genesung zur Seite stehen. Instinktiv spüren sie, dass kranke Menschen Hilfe brauchen und unterstützen intuitiv den Heilungsprozess. Darüber wurde in medizinischen Fachpublikationen schon mehrfach berichtet. Dass Tiere einen positiven therapeutischen Einfluß haben können, ist schon lange bekannt. Am spektakulärsten ist sicher das von den Medien häufig aufgegriffene Schwimmen mit Delfinen. Dabei können zum Beispiel Autisten im Zusammenspiel mit Tieren kommunikative Möglichkeiten entwickeln, die ihnen mit Menschen verwehrt sind.
Gerade dann, wenn Menschen aufgrund einer neurologischen Einschränkung vorübergehend oder endgültig nicht mehr in der Lage sind, normal zu kommunizieren, können Tiere mit ihrer größeren Vielfalt an kommunikativen Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten besser auf sie eingehen als Menschen, die zu sehr auf das übliche Gespräch fixiert sind. So eine neurologische Einschränkung kann zum Beispiel nach einem Schlaganfall auftreten, wenn bestimmte Bereiche des Gehirns Teile des gewohnten Spektrums erst wieder erinnern oder neu erlernen müssen.
Manche Hunde sind geradezu prädestiniert dazu, mit solchen Menschen zu kommunizieren, denn wenn es mit der Sprache noch nicht klappt, so wird die Nähe, Zuwendung und der körperliche Kontakt eines Hundes durchaus positiv wahrgenommen. Vieles läßt sich einem Hund durch Blickkontakt, mit Gesten und durch Berührungen vermitteln, ohne viele Worte machen zu müssen. Das entspannt beide Seiten.
Es gibt Hunde mit entsprechendem Einfühlungsvermögen, die auch bereit sind, ihre Bezugsperson gelegentlich zu wechseln. Sie werden gezielt ausgebildet, um Kranken zur Seite zu stehen. So sind beispielsweise in der Schön Klinik in München Schwabing „Tonka“ und „Nelson“ bei der Betreuung von Hirnverletzten und Schlaganfallpatienten im Einsatz. Auch bei Demenz kann der Kontakt mit einem Hund hilfreich sein. Ein Hund verzeiht Gedächtnislücken und Konzentrationsschwächen eher. Viele Patienten können mit einem Hund an positive Erinnerungen aus der Vergangenheit anknüpfen und werden so für eine Weile aus ihrer Resignation und Lethargie befreit. Sie lernen, sich wieder einem Wesen zu öffnen. Oft ist das der Anfang eines weiterführenden Prozesses.
Worauf es beim Einsatz eines Therapiehundes ankommt
Ein Therapiehund kann Ruhe, Nähe und Motivation unterstützen, wenn die Begegnung für alle Beteiligten passend gestaltet wird. Entscheidend ist dabei nicht nur der Hund, sondern auch die Situation: Der Kontakt sollte freiwillig sein, in einem ruhigen Rahmen stattfinden und an die Bedürfnisse des jeweiligen Menschen angepasst werden.
Ebenso wichtig ist, dass der Hund nicht überfordert wird. Auch ein gut ausgebildeter und freundlicher Hund braucht Pausen, Rückzugsmöglichkeiten und eine vertraute Begleitperson, die seine Signale erkennt. In Einrichtungen sollte der Einsatz daher sorgfältig abgestimmt und fachkundig begleitet werden.
Fragen zur Eignung von Hund und Situation
Neben der Rasse spielen vor allem Wesen, Belastbarkeit und Ausbildung eine Rolle. Vor einem Einsatz können einige einfache Fragen helfen, die Eignung besser einzuschätzen:
- Bleibt der Hund auch in ungewohnter Umgebung ruhig und ansprechbar?
- Kann er Berührungen, Nähe und wechselnde Menschen gelassen akzeptieren?
- Gibt es klare Rückzugsmöglichkeiten, wenn der Hund eine Pause braucht?
- Sind Hygiene, Ablauf und Zuständigkeiten mit der Einrichtung oder den Betreuungspersonen abgesprochen?
- Wird die Begegnung von einer Person begleitet, die sowohl den Hund als auch die Situation einschätzen kann?
Labradore, Retriever und Collies gelten als gut geeignet, um als Therapiehunde eingesetzt zu werden. Es ist gewiss kein Zufall, dass es sich dabei um Rassen handelt, die sich auch als Blinden- oder Behindertenbegleithunde schon vielfach bewährt haben. Auch in Seniorenheimen und in Behindertenschulen hat man mit Therapiehunden schon ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Auch manche Kindergärten arbeiten mit Hunden, um den Kleinsten Ängste zu nehmen und sie an einen natürlichen Umgang mit Tieren zu gewöhnen.
Der ideale Therapiehund hat ein offenes Wesen und findet zu Fremden schnell Kontakt. Er hat ein weiches Fell und mag es, berührt und gestreichelt zu werden und er ist besonders aufmerksam, um alle Zeichen seines Gegenübers wahrzunehmen. Helle Hunde haben es bei der Kontaktaufnahme leichter, denn sie wirken von vornherein gutmütiger.
Kurze Checkliste für eine gelungene Begegnung
- Die Umgebung sollte möglichst ruhig und überschaubar sein.
- Der Kontakt zum Hund sollte freiwillig bleiben und nicht erzwungen werden.
- Reaktionen von Mensch und Hund sollten aufmerksam beobachtet werden.
- Pausen und Rückzugsmöglichkeiten sollten von Anfang an eingeplant werden.
- Bei Unsicherheit sollten Betreuungspersonen oder fachkundige Begleiter einbezogen werden.
Zusammenfassung
Therapiehunde können für kranke, ältere oder eingeschränkte Menschen wertvolle Begleiter sein, weil sie Nähe, Aufmerksamkeit und einen anderen Zugang zur Kommunikation ermöglichen können. Damit diese Begegnungen gelingen, sollten Hund, Mensch und Situation gut zueinander passen.
Ein verantwortungsvoller Einsatz setzt Geduld, Beobachtung und eine sorgfältige Begleitung voraus. So bleibt der Hund nicht nur ein freundlicher Besucher, sondern kann in einem passenden Rahmen zu einem unterstützenden Kontakt werden.


