Dogdancing – Wenn Hunde tanzen, steppt der Bär
Hundeausstellungen sind etwas in die Jahre gekommen. Natürlich ist es nett anzusehen, wenn die schönsten Exemplare zahlreicher Rassen präsentiert und prämiert werden. Und Züchter wie Juroren sehen im tadellosen Stammbaum und der Einhaltung von Rassestandards ihren Lebensinhalt. Klar, wer sein Handwerk ernst nimmt, wird noch immer erregt über die ideale Krümmung des Dackelschwanzes diskutieren können. Andere sind froh, endlich die richtige Bürste für die Fellpflege ihres Tibet-Terriers zu finden. Damit sich die Mühe stundenlangen Kämmens auch lohnt, setzen Hundefotografen die Lieblinge passend ins Bild, entweder als Porträtaufnahme oder in stimmungsvoller Kulisse.
Man merkt, hier sind Profis unter sich. Doch Hundeausstellungen wollen auch neue Zielgruppen erschließen. Menschen, die das Thema „Tier“ vielleicht (noch) nicht ganz so verbissen sehen. Und deshalb bemüht man sich um ein ansprechendes Rahmenprogramm. Ideal sind dafür ausgebildete Filmhunde geeignet, die ihr umfangreiches Repertoire an Kunststücken vorführen. Auch Agility-Vorführungen sind wegen ihrer hohen Dynamik äußerst beliebt. Dabei absolvieren die Hunde in schneller Folge verschiedenste Aufgaben in einem Hindernisparcours.
Jüngster Schrei ist jedoch Dogdancing. Eine Disziplin, die durch die Kombination mit flotter Musik die Zuschauer in ihren Bann zieht. Mensch und Hund tanzen gemeinsam, wenn’s geht im Takt. Hier zeigt sich, dass es auch erstaunlich musikalische Hunde gibt, die einen heißen Rhythmus durchaus zu schätzen wissen. Der Ursprung des Dogdancings wird in den Vereinigten Staaten vermutet. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung klassischer Gehorsamkeitsübungen (Obedience), bei denen der Hund bereits auf die Bewegungen und Zeichen seines Menschen zu achten gelernt hat. Bekannte Elemente, wie das bei Fuß gehen, werden kombiniert mit Slalomläufen zwischen den Beinen, Passagen, bei denen der Hund auf den Hinterpfoten tänzelt und Sprüngen. Grundlage für viele Figuren ist ein sicherer Grundgehorsam, etwa wenn der Hund Kommandos wie Sitz zuverlässig beherrscht.
Vor dem Einstieg ins Dogdancing
Wer Dogdancing nicht nur ansehen, sondern mit dem eigenen Hund ausprobieren möchte, sollte zunächst auf eine entspannte Ausgangslage achten. Hilfreich kann sein, wenn der Hund einfache Signale kennt, sich gern am Menschen orientiert und Freude an gemeinsamer Beschäftigung zeigt.
Ebenso wichtig ist eine ruhige Umgebung, in der Mensch und Hund nicht ständig abgelenkt werden. Für den Anfang muss daraus keine perfekte Choreografie entstehen. Sinnvoller ist es, kleine Bewegungen spielerisch zu verbinden und zu beobachten, ob der Hund aufmerksam und gelassen mitmacht.
Wenn es gelingt, dem Hund nicht nur Bewegungsabläufe zu vermitteln, sondern diese auch noch mit einer Begleitmusik zu synchronisieren, kann daraus eine sehr ansprechende, stellenweise auch witzige Gesamtchoreografie entstehen. Die Kunst besteht darin, menschliche und tierische Bewegungen (Fachleute sprechen von „Heelwork“) gut aufeinander abzustimmen und dabei abwechslungsreiche Figuren zu zeigen, die optimal zur Rhythmik der entsprechenden Musik passen. Passagen, in denen die „Tänzer“ dicht beieinander und miteinander agieren, wechseln ab mit Formationen, in denen auf Distanz getanzt wird.
Praktische Tipps für die ersten Versuche
Für Einsteiger ist es meist angenehmer, mit kurzen, überschaubaren Übungseinheiten zu beginnen. Einfache Bewegungen, viel Lob und eine positive Grundstimmung helfen dabei, dass Dogdancing als gemeinsame Beschäftigung erlebt wird und nicht als Pflichtprogramm.
Der Hund sollte dabei nicht überfordert werden. Tagesform, Motivation und Wohlbefinden können schwanken, deshalb lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben und rechtzeitig Pausen zu machen. Wenn eine Figur nicht klappt, ist ein kleinerer Schritt oft hilfreicher als häufiges Wiederholen derselben Situation.
Hier zeigen immerhin sechs Beine, was man zu Musik so alles machen kann. Oft ist der menschliche Partner sogar ein guter Stepptänzer und setzt zusätzlich noch einen Stock oder Schirm ein. Das ganze ist, wenn es gekonnt präsentiert wird, eine tolle Show, bei der die Zuschauer begeistert mitwippen und klatschen.
Passt Dogdancing zum eigenen Hund?
Dogdancing kann besonders dann Freude machen, wenn Hund und Mensch gern miteinander arbeiten und beide Spaß an kleinen Aufgaben haben. Eine hilfreiche Frage vor dem Einstieg ist daher: Sucht der Hund von sich aus Kontakt und Aufmerksamkeit, oder wirkt er bei solchen Übungen eher schnell gestresst?
Auch der Mensch sollte Lust haben, regelmäßig und geduldig zu üben, ohne sofort eine bühnenreife Vorführung zu erwarten. Bei Unsicherheit, etwa wenn bestimmte Bewegungen ungewohnt wirken oder der Hund schnell überfordert scheint, ist eine fachkundige Einschätzung sinnvoll.
Es gibt bereits mehrere Bücher sowie Dogdance-DVD’s. Dogdance-Begeisterte haben ihre eigene Plattform im Web. Auch auf facebook ist Dogdance schon vertreten. Auf YouTube findet sich eine reiche Auswahl an Dogdance-Videos. Border Collies scheinen ganz besonders talentiert zu sein.
Kurze Fragen und Antworten
Was ist Dogdancing?
Dogdancing ist eine gemeinsame Vorführung von Mensch und Hund, bei der bekannte Signale, Bewegungen und kleine Kunststücke mit Musik verbunden werden. Im Mittelpunkt steht das abgestimmte Zusammenspiel.
Können Anfänger mit Dogdancing beginnen?
Grundsätzlich können auch Anfänger erste einfache Elemente ausprobieren, wenn sie behutsam vorgehen und den Hund nicht unter Druck setzen. Eine perfekte Choreografie ist am Anfang nicht nötig.
Worauf sollte man beim Einstieg achten?
Wichtig sind Geduld, eine positive Stimmung und ein Blick dafür, ob der Hund noch aufmerksam und entspannt ist. Dogdancing sollte für beide Seiten eine angenehme gemeinsame Beschäftigung bleiben.


