Die Entwöhnung der Welpen

In den ersten Lebenswochen beschränkt sich die Aktivität der Neugeborenen auf das Trinken und Schlafen. Die Hundemutter legt sich auf die Seite und die Kleinen saugen an den Zitzen. Mit den Vorderpfoten stoßen sie an den Bauch der Mutter, um den Milchfluß anzuregen. Dieses instinktive Verhalten wird auch als Milchtritt oder als Treteln bezeichnet. Man kann es auch bei anderen Säugetieren, zum Beispiel bei Katzen oder Schweinen beobachten. Das Treteln löst beim Muttertier den so genannten Milchreflex aus, wodurch die Milch in die Zitzen strömt.

In diesen ersten Wochen ist die Mutter fast ununterbrochen bei ihrem Wurf. Nach drei bis vier Wochen läßt sie die Jungen bereits für längere Zeit allein. Nun beginnt sie auch damit, die Welpen im Stehen trinken zu lassen. Zunehmend entzieht sie sich den Kleinen während des Säugens, knurrt oder schnappt vorsichtig nach ihnen, so dass sie sich langsam daran gewöhnen, dass die Mutter sich als primäre Futterquelle zurückzieht. Die Jungen müssen sich neu orientieren; werden nur noch gelegentlich gesäugt, bis nach etwa sieben Wochen die Muttermilch versiegt.

Die Entwöhnungsphase ruhig vorbereiten

Für die Welpen ist diese Zeit eine allmähliche Umstellung. Hilfreich ist vor allem eine ruhige Umgebung, in der die Hündin sich zurückziehen kann und die Jungen dennoch sicher erreichbar bleiben. Ein sauberer, gut beobachtbarer Futterplatz erleichtert es, die ersten Versuche mit fester Nahrung ohne unnötige Unruhe zu begleiten.

Wichtig ist auch, die Welpen nicht zu drängen. Manche Tiere interessieren sich früher für das angebotene Futter, andere brauchen etwas mehr Zeit. Solange die Entwicklung insgesamt unauffällig wirkt, ist diese unterschiedliche Geschwindigkeit in der Gruppe nicht ungewöhnlich.

Während der Entwöhnungsphase muss zunehmend Welpenfutter angeboten werden. Die Kleinen gewöhnen sich schnell daran. In freier Wildbahn würde die Nahrung zur Erleichterung von der Fähe, der Wolfsmutter, noch eine Weile vorverdaut und für den Nachwuchs wieder hervorgewürgt. Jungen Wölfen fällt es auf diese Weise zunächst leichter, erlegte Beute aufzunehmen, da die Zähne noch nicht voll ausgebildet sind und ihnen das Zerreißen und Kauen großer Stücke nur bedingt möglich ist. Sie stupsen und lecken die Schnauze ihrer Mutter, wenn diese von der Jagd zurückkehrt, um sie zum Hervorwürgen zu animieren. Sie kann diesem Futterbetteln nicht widerstehen und würgt die vorverdauten Brocken hervor. Im Wolfsrudel helfen in diesem Stadium auch die erwachsenen Rüden mit und bringen ebenfalls vorverdaute Nahrung, um die Mutter und den Nachwuchs zu versorgen. Bemerkenswert ist, dass sie dazu instinktiv nur frisch gefressenes Fleisch verwenden, niemals jedoch Aas, welches sie zwar für sich selbst gerne nehmen, aber das könnte bei Welpen zu Verdauungsbeschwerden führen.

Praktische Hinweise für die Umstellung

Beim Übergang von Muttermilch zu fester Nahrung kommt es vor allem auf Geduld und aufmerksame Beobachtung an. Die Welpen sollten die Möglichkeit haben, das Futter in ihrem eigenen Tempo kennenzulernen. Dabei ist es sinnvoll, darauf zu achten, ob alle Tiere Zugang zum Futterplatz finden und ob einzelne Welpen regelmäßig verdrängt werden.

Auch die Hündin sollte während dieser Phase beobachtet werden. Ihr Verhalten zeigt oft deutlich, wann sie mehr Abstand möchte und wann sie das Säugen noch zulässt. Wenn Unsicherheit besteht, etwa weil ein Welpe auffällig wenig Interesse zeigt oder die Mutter deutlich gestresst wirkt, ist eine Rücksprache mit einer fachkundigen Person oder einem Tierarzt sinnvoll.

Auch bei jungen Hunden kann man diese instinkthafte Form des Bettelns noch gelegentlich beobachten, wenngleich ein Hervorwürgen von Nahrung bei guter Versorgung mit Welpenfutter nicht mehr erforderlich ist. Sollte die Hundemutter es doch einmal tun, so ist das ein ganz normaler Vorgang innerhalb der natürlichen Aufzucht, der keinen beunruhigen muss. Dass der Mensch beim Füttern hilft, betrachtet die Hündin als normal, schließlich ist er ein Rudelmitglied, das ebenso unterstützt, wie es im Wolfsrudel üblich wäre.

Typische Fehler während der Entwöhnung

Ein häufiger Fehler ist eine zu hastige Umstellung. Die Entwöhnung ist kein einzelner Moment, sondern ein Prozess, bei dem Muttermilch und feste Nahrung eine Zeitlang nebeneinander eine Rolle spielen können. Ebenso ungünstig ist ein unruhiger Futterplatz, an dem die Welpen gestört werden oder die Mutter keine Ausweichmöglichkeit hat.

Auch fehlende Beobachtung kann problematisch sein. Gerade in einem Wurf entwickeln sich die Welpen nicht immer völlig gleichmäßig. Deshalb ist es hilfreich, regelmäßig darauf zu achten, ob alle Tiere aktiv sind, Interesse zeigen und beim Fressen nicht dauerhaft zu kurz kommen.

Der Anteil fester Nahrung nimmt nun immer mehr zu; bald haben sich die Welpen ganz darauf umgestellt. Auch in der Natur würde man den Kleinen jetzt immer größere Brocken offerieren, so dass sie lernen, ihre mittlerweile durchgebrochenen scharfen Zähne einzusetzen.

Kurze Checkliste zur Entwöhnung

  • Die Umstellung sollte ruhig und ohne Druck begleitet werden.
  • Der Futterplatz sollte sauber, gut erreichbar und möglichst störungsarm sein.
  • Alle Welpen sollten die Möglichkeit haben, das angebotene Futter kennenzulernen.
  • Das Verhalten der Mutter gibt wichtige Hinweise darauf, wie weit der Rückzug vom Säugen fortgeschritten ist.
  • Bei Unsicherheit, auffälligem Verhalten oder Sorgen um einzelne Welpen sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.