Die Geburt der Welpen
Es gibt wohl kaum etwas Niedlicheres, als einen kleinen Welpen. Amerikaner sprechen liebevoll von Puppy. Doch für die Hundemutter sind die munteren Puppies zunächst einmal harte Arbeit. Nach neunwöchiger Tragezeit wird sie bereits einen Tag vor der Geburt der Jungen unruhig und frisst nicht mehr. Sie hält nach einem geschützten Platz Ausschau; ideal ist es, wenn man ihr bereits eine gemütliche Wurfkiste eingerichtet hat. Instinktiv versucht die Hündin, den Boden aufzuscharren. Liegen dort Decken oder Pappen, so zerreißt sie diese möglicherweise. Ein Verhalten, das in der Natur offenbar eine große Bedeutung für den Bau der Kinderstube hat. Die Wölfin, Naturkundler sprechen von der Fähe, gräbt sich ihren eigenen Wurfplatz, wobei zum Teil recht beeindruckende Höhlen entstehen. Dabei achtet sie auf optimale Tarnung und darauf, dass das Regenwasser gut ablaufen kann und dass ausreichend Trinkwasser in der Nähe ist. Zum Teil gibt es mehrere Notausgänge und manchmal sogar einen Ersatzbau. So gesehen, entspricht die menschliche Behausung dem, was auch die Haushündin immer noch instinktiv für erforderlich hält. Auch hier gibt es viele verschiedene Gänge und mehrere Räume, in die man notfalls ausweichen kann.
Eine ruhige Umgebung vorbereiten
Für die Hündin ist vor allem wichtig, dass sie sich sicher und ungestört fühlt. Ein geschützter Platz, eine gut erreichbare Wurfkiste und vertraute Menschen in der Nähe können dazu beitragen, dass sie sich zurückziehen kann, ohne vollständig allein gelassen zu sein.
Hilfreich ist es, die Umgebung möglichst ruhig zu halten. Hektik, häufiges Umräumen oder neugierige Besucher können die werdende Mutter zusätzlich verunsichern. Wer die Hündin gut kennt, kann meist schon an ihrem Verhalten erkennen, ob sie Nähe sucht oder lieber Abstand möchte.
Vertraute Familienmitglieder, das eigene Rudels, beunruhigen sie nicht. Fremden gegenüber zeigt sie sich jedoch abweisend bis aggressiv. Der Beschützerinstinkt meldet sich bereits vor der eigentlichen Geburt. In der Natur ist das wichtig, damit sich Eindringlinge gar nicht erst bis zum Lager trauen, solange der Nachwuchs noch wehrlos ist.
Worauf Halter allgemein achten können
Während dieser Phase ist eine vorsichtige Beobachtung sinnvoller als ständiges Eingreifen. Die Hündin sollte die Möglichkeit haben, ihren Platz aufzusuchen, sich hinzulegen und wieder aufzustehen, ohne dabei bedrängt zu werden.
- Ist die Wurfumgebung ruhig, geschützt und gut erreichbar?
- Hat die Hündin die Möglichkeit, sich zurückzuziehen?
- Bleiben vertraute Personen ruhig und aufmerksam im Hintergrund?
- Sind wichtige Kontaktdaten einer fachkundigen Stelle griffbereit, falls Unsicherheit entsteht?
Sobald der Geburtsvorgang beginnt, ist ein gelegentliches Hecheln und ein phasenweises Zittern zu erkennen. Die Welpen werden in Abständen von etwa dreißig Minuten geboren. Jedesmal bedeutet das für die Mutter, die Embryonalhülle zu öffnen, die Nabelschnur zu durchtrennen und den Körper des Neugeborenen intensiv zu lecken, damit Atmung und Kreislauf angeregt werden. Anschließend frisst sie die Nachgeburt und drückt den Welpen an ihren Körper, um ihn zu wärmen.
Es bleibt ihr nur wenig Zeit, sich zu erholen, schon kommt der nächste Welpe zur Welt. Im Schnitt wirft eine Hündin fünf Junge. Es können es aber auch schon mal doppelt so viele werden. Eine mehrstündige Höchstleistung, die der Hündin alle ihre Kräfte abverlangt.
Typische Fehler im Umgang mit Hündin und Welpen
Gut gemeinte Aufmerksamkeit kann für die Hündin schnell zu viel werden. Deshalb sollte man vermeiden, den Wurfplatz ständig zu kontrollieren, die Welpen unnötig anzufassen oder fremde Personen in die Nähe zu lassen, wenn die Mutter dadurch unruhig wird.
Auch eine ungeeignete Umgebung kann Stress verursachen. Ein Platz mitten im Durchgang, laute Geräusche oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten passen meist nicht zu dem Schutzbedürfnis, das viele Hündinnen rund um die Geburt zeigen.
Die auf der Seite liegende Mutter säugt nun die Neugeborenen, zunächst mit einer Vormilch, die als „Colostrum“ bezeichnet wird und deren Zusammensetzung vor allem der Stärkung des Immunsystems dient. Bei der Verteilung an den Milchzitzen gibt es keine festgelegten Positionen; jeder trinkt, wo gerade ein Platz frei ist. Noch sind die Welpen blind und taub, doch ihre Nase führt sie bereits sicher zur Milchquelle. Mit instinktiven Tritten der Vorderpfoten gegen den Bauch der Mutter, regen sie die Milchdrüsen zur Produktion an.
Zusammenfassung
Die Geburt von Welpen folgt vielen natürlichen Instinkten der Hündin. Sie sucht Schutz, Ruhe und Nähe zu vertrauten Bezugspersonen, während sie Fremdes eher abwehrt. Für Halter ist es daher meist am hilfreichsten, eine passende Umgebung bereitzustellen, aufmerksam zu beobachten und unnötige Störungen zu vermeiden.
Wer unsicher ist oder das Verhalten der Hündin nicht einordnen kann, sollte fachkundigen Rat einholen. So bleibt die Unterstützung vorsichtig, respektiert den natürlichen Ablauf und gibt der Hundemutter den geschützten Rahmen, den sie für sich und ihre Welpen braucht.


